"Nachhaltigkeit bedeutet weit mehr als Umweltschutz."
11.03.2026
Interview mit unserem Nachhaltigkeitsmanager - Emon
1. Einstieg & persönliche Motivation
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Was hat dich persönlich dazu motiviert, im Bereich Nachhaltigkeit zu arbeiten?
Antwort:Die Textilbranche ist stark von Design, Ideenfindung und Kreativität geprägt. Ich habe schon immer weitergedacht und mich gefragt, was man noch verbessern oder erweitern kann. Viele Innovationen wurden bereits umgesetzt, dennoch bleibt die Textilindustrie nach der Energieproduktion aus fossilen Quellen eine der umweltbelastendsten Branchen weltweit. Besonders im Bereich der Nachhaltigkeit stehen wir vor großen Herausforderungen – sowohl in Bezug auf die Umwelt als auch auf die Einhaltung der Menschenrechte in unseren Lieferketten. Mein persönliches Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich zu helfen und zu einer positiven Veränderung beizutragen.
Als ich selbst Student war und in Gazipur in Bangladesch in einem großen Fabrikkomplex mit mehreren Produktionsstätten gearbeitet habe, konnte ich die Bedingungen vor Ort mit eigenen Augen sehen. Ich habe hautnah erlebt, unter welchen Umständen die Menschen dort arbeiten und welche Auswirkungen die textile Herstellung auf die Umwelt hat. Diese Erfahrungen haben mich tief geprägt und mir deutlich vor Augen geführt, wie dringend Veränderungen in der Branche notwendig sind.
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Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich im Alltag?
Antwort:Nachhaltigkeit wird häufig ausschließlich mit Umweltaspekten verbunden. Doch sie umfasst weit mehr: Nachhaltigkeit ist ein Weg, auf dem wir Menschen unterstützen, Lebensbedingungen verbessern und langfristige Stabilität schaffen können. In diesem Zusammenhang spielen drei zentrale Module eine Rolle: Umwelt, soziale Verantwortung bzw. Menschenrechte und Governance, also eine verantwortungsvolle und transparente Unternehmensführung. Diese drei Säulen bilden gemeinsam den ESG‑Ansatz – Environment, Social, Governance.
Mich bewegt vor allem die Möglichkeit, Menschen direkt zu helfen und ihre Lebensstandards nachhaltig zu verbessern. Jeder Mensch sollte in Würde leben können. Mit meiner Arbeit möchte ich genau dazu beitragen und dies im Rahmen meiner Möglichkeiten bestmöglich unterstützen.
2. Berufsbild & Alltag im Job
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Was genau macht ein Nachhaltigkeitsmanager – wie sieht dein typischer Tag aus?
Antwort:In meiner Arbeit bin ich stark auf die Lieferkette fokussiert und stehe in engem Austausch mit all unseren Lieferanten. Zu meinen zentralen Aufgaben gehören die Durchführung von Audits und die Begleitung von
Zertifizierungsprozessen. Darüber hinaus erstelle ich Präsentationen für Kund:innen und unterstütze sowohl intern als auch extern bei fachlichen Fragestellungen.
Ein wesentlicher Teil meiner Tätigkeit besteht darin, kontinuierlich zu prüfen, ob unsere internen Standards mit neuen gesetzlichen Anforderungen übereinstimmen. Außerdem dokumentiere ich alle notwendigen Schritte und Nachweise, die wir für spezifische Zertifizierungen benötigen.
Regelmäßig reise ich in unsere Produktionsländer, um dort interne Audits durchzuführen. Vor Ort tausche ich mich sowohl mit der Geschäftsführung als auch direkt mit den Mitarbeiter: innen aus, um ein vollständiges Bild der Prozesse und Arbeitsbedingungen zu erhalten.
Im Bereich der Beschaffung recherchiere und evaluiere ich neue potenzielle Lieferanten, die zu unseren Unternehmenswerten und Qualitätsstandards passen könnten. Dabei baue ich langfristige, vertrauensvolle Beziehungen auf und habe bereits Eine große Anzahl an Lieferanten erfolgreich durch den gesamten Onboarding‑Prozess begleitet.
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Wenn du deinen Job in einem Satz beschreiben müsstest – welcher wäre es?
Antwort:Make People’s lives better– Wir verbessern das Leben der Menschen.
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Gibt es etwas, das die meisten Menschen überraschen würde, wenn es um deinen Job geht?
Antwort: Kulturelles Verständnis ist für meine Arbeit essenziell. Ich arbeite mit vielen unterschiedlichen Kulturen zusammen, und die Denkweisen in unserem Büro unterscheiden sich oft von denen in unseren Lieferantenländern. Was bei uns funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf andere Regionen übertragen. Gegenseitiges Verständnis ist daher die Grundlage einer funktionierenden Lieferkette. Zudem ist Nachhaltigkeit in Deutschland deutlich präsenter als in vielen Produktionsländern, weshalb kulturelle Sensibilität besonders wichtig ist.
3. Aktuelle Schwerpunkte & Herausforderungen
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Welche Themen stehen aktuell ganz oben auf deiner Agenda?
Antwort:Ein zentrales Projekt ist unsere Zusammenarbeit mit der GIZ, bei der wir kleine Bauern in Indien unterstützen und Frauen in unseren Lieferketten stärken – durch Bildung, Schulungen und direkte Zusammenarbeit mit den Fabrikleitungen. Dabei verfolgen wir mehrere Ziele: die Verbesserung der Arbeitsstandards in unserer gesamten Lieferkette sowie die Förderung von Sportprogrammen in Produzentenländern, um Motivation, Gesundheit und Teamgeist zu stärken. Gemeinsam mit ausgewählten Kund:innen besuchen wir diese Projekte vor Ort. Finanziert wird das Programm von uns, der GIZ und unseren Kund:innen.
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Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen?
Antwort: Mein persönlicher Wunsch ist es, unseren MBA‑Bereich langfristig carbon neutral zu gestalten und damit einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Gerade arbeite ich daran, Prozesse und Strukturen weiter zu professionalisieren und auszubauen – unter anderem durch die Implementierung und Einhaltung der ISO 9001, dem internationalen Standard für Qualitätsmanagement.
4. Blick nach vorn & Wünsche
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Was ist deiner Meinung nach der wichtigste Schritt, den jede:r einzelne tun kann, um nachhaltiger zu leben?
Antwort:Fast Fashion vermeiden. Lieber weniger Kleidung besitzen, dafür aber langlebige und nachhaltige Stücke auswählen. Auch der Kauf von Second‒Hand‒Mode ist für mich ein wichtiger Schritt, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu reduzieren.
5. Zitat Emon
„Perfekte Nachhaltigkeit ist eine Illusion. Fortschritt nicht. Deshalb bleiben wir dran.“